
Zusammenfassung
Metadaten
- Zielgruppe: Hochschulpersonal (Prüfungsämter, IT-Abteilungen, Lehrende), Verantwortliche für digitale Lehre und Prüfung.
- Lernziele / Kompetenzen: Verständnis für die Herausforderungen der digitalen Prüfung, Kenntnisse über Sicherheitsaspekte, Datenschutz und rechtliche Rahmenbedingungen, Ableitung von Handlungsempfehlungen für die eigene Hochschule.
- Voraussetzungen: Grundkenntnisse im Hochschulprüfungsrecht, Vertrautheit mit Lernmanagementsystemen (LMS) wie Moodle, Basiswissen im Bereich IT-Sicherheit und Datenschutz.
Einführung
Dieser Vortrag beleuchtet die Einführung von digitalen Prüfungen an der Technischen Hochschule Lübeck. Ausgangspunkt war die Notwendigkeit, während der Corona-Pandemie Prüfungen digital durchführen zu können. Die anschließende Evaluation zeigte, dass ein Drittel der Lehrenden an der Fortführung digitaler Prüfungen interessiert war, sofern eine hohe Sicherheit gewährleistet werden konnte. Der Vortrag stellt die gewählte Lösung vor, die auf Chromebooks basiert, und diskutiert die damit verbundenen Herausforderungen und Erfahrungen.
Hintergrund und Motivation
Die Technische Hochschule Lübeck verfügt über eine lange Tradition im Bereich des Online-Studiums, jedoch war die digitale Hochschullehre in der Präsenzlehre bisher wenig verbreitet. Die Corona-Pandemie führte zu einem Umdenken und der Notwendigkeit, auch Präsenzprüfungen digital durchführen zu können. Eine Umfrage unter den Lehrenden zeigte, dass ein erheblicher Teil an der Fortführung digitaler Prüfungen interessiert war, jedoch unter der Bedingung, dass Täuschungsversuche ausgeschlossen werden können.
Die Wahl der Chromebooks
Nach der Prüfung verschiedener Optionen, darunter E-Assessment Center und PC-Pools, entschied sich die Hochschule für Chromebooks. Gründe für diese Entscheidung waren: - Ressourcenschonung: Chromebooks sind kostengünstiger in der Anschaffung und erfordern weniger Wartungsaufwand als Windows-Rechner. - Flexibilität: Die Geräte sind mobil einsetzbar und können in verschiedenen Räumlichkeiten verwendet werden. - Datenschutz: Die Nutzung von Chromebooks erwies sich als datenschutzrechtlich unproblematisch, auch in Schleswig-Holstein, wo die Datenschutzbestimmungen streng sind. - Einfache Administration: Die Verwaltung der Geräte erfolgt über die Google Admin Konsole.
Technische Umsetzung
Die Hochschule setzt auf eine Kombination aus Chromebooks und dem bestehenden Lernmanagementsystem Moodle. Die Chromebooks werden im Kiosk-Modus (Gastsitzung) betrieben, um den Zugriff auf externe Ressourcen zu beschränken und die Prüfungssicherheit zu erhöhen. Die Studierenden können sich nur mit einem spezifischen Link zum Moodle-Examen verbinden. Die Logdaten werden während der Prüfung erfasst und zusammen mit dem Kurs archiviert.
Herausforderungen und Lösungsansätze
Der Vortrag beleuchtet verschiedene Herausforderungen, die bei der Einführung digitaler Prüfungen auftraten: - Raumbeschränkungen: Die Anschaffung von Laptop-Wagen erschwerte die flexible Nutzung der Chromebooks auf dem Campus. - Integration in bestehende Prozesse: Die etablierten Prüfungsabläufe in den Fachbereichen mussten berücksichtigt werden, was zu Konflikten führte, insbesondere bei der Raumreservierung und der Prüfungsanmeldung. - Sicherheitsaspekte: Die Gefahr von Manipulationen und Täuschungsversuchen musste minimiert werden. - Rechtliche Aspekte: Insbesondere die Problematik der Multiple-Choice-Fragen mit Maluspunkten und die Archivierung von Prüfungsdaten erforderten eine sorgfältige rechtliche Prüfung. - Akzeptanz der Studierenden: Die Studierenden äußerten teilweise Unbehagen gegenüber der Nutzung von Chromebooks und bevorzugten traditionelle Papierklausuren.
Sicherheitsmaßnahmen
Um die Prüfungssicherheit zu gewährleisten, wurden folgende Maßnahmen ergriffen: - Einfrieren von Kursen: Nach Abschluss der Korrektur und Einsicht werden die Kurse eingefroren, um nachträgliche Manipulationen zu verhindern. - Protokollierung: Die Logdaten werden während der Prüfung erfasst und archiviert, um im Bedarfsfall nachvollziehen zu können, was während der Prüfung passiert ist. - Beschränkung des Zugriffs: Der Zugriff auf die Chromebooks und das Moodle-System wird durch Kiosk-Modus und IP-Adressfilterung beschränkt. - Einmalige Anmeldung: Die Studierenden können sich nur einmal pro Prüfungssitzung anmelden.
Datenschutz und rechtliche Aspekte
Die Hochschule hat eng mit dem Datenschutzbeauftragten zusammengearbeitet, um sicherzustellen, dass die Datenschutzbestimmungen eingehalten werden. Die Erfassung und Speicherung von Logdaten wurde rechtlich geprüft und als notwendig erachtet, um im Falle von Klagen nachvollziehen zu können, was während der Prüfung passiert ist.
Handlungsempfehlungen
Aus den Erfahrungen der Technischen Hochschule Lübeck lassen sich folgende Handlungsempfehlungen ableiten: - Frühzeitige Planung: Die Einführung digitaler Prüfungen erfordert eine sorgfältige Planung und Koordination mit allen Beteiligten (Prüfungsamt, IT-Abteilung, Lehrende). - Berücksichtigung bestehender Prozesse: Die etablierten Prüfungsabläufe in den Fachbereichen sollten berücksichtigt und in den neuen Prozess integriert werden. - Sicherheitsmaßnahmen: Es sollten umfassende Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden, um Täuschungsversuche zu verhindern und die Prüfungssicherheit zu gewährleisten. - Datenschutz: Die Datenschutzbestimmungen müssen eingehalten werden. - Kommunikation: Die Studierenden sollten frühzeitig über die Einführung digitaler Prüfungen informiert und in den Prozess eingebunden werden. - Schulung der Lehrenden: Die Lehrenden sollten in der Nutzung der digitalen Prüfungstools geschult werden. - Rechtliche Beratung: Es sollte rechtliche Beratung eingeholt werden, insbesondere in Bezug auf die Gestaltung von Multiple-Choice-Fragen und die Archivierung von Prüfungsdaten. - Evaluation: Die Einführung digitaler Prüfungen sollte regelmäßig evaluiert werden, um Verbesserungspotenziale zu identifizieren.
Call to Actions
- Prüfen der eigenen Infrastruktur: Überprüfung der vorhandenen IT-Infrastruktur und der Möglichkeiten zur Einführung digitaler Prüfungen.
- Einbeziehung der Lehrenden: Diskussion mit den Lehrenden über die Vor- und Nachteile digitaler Prüfungen und die Entwicklung eines gemeinsamen Konzepts.
- Datenschutzprüfung: Überprüfung der Datenschutzbestimmungen und Einholung einer rechtlichen Beratung.
- Pilotprojekte: Durchführung von Pilotprojekten, um Erfahrungen zu sammeln und den Prozess zu optimieren.
- Austausch mit anderen Hochschulen: Austausch mit anderen Hochschulen, die bereits Erfahrungen mit digitalen Prüfungen haben.